Recht & Reform
3. Februar 20265 Min. Lesezeit

Laienausbildung: Dürfen Eltern bald Fahrlehrer sein?

Das Bundesverkehrsministerium prüft, ob Angehörige in die praktische Fahrausbildung eingebunden werden dürfen. Die sogenannte „Laienausbildung" ist einer der kontroversesten Punkte der geplanten Führerscheinreform. Was steckt dahinter – und was würde das für Fahrschulen bedeuten?

Was ist mit „Laienausbildung" gemeint?

Der Begriff beschreibt die Möglichkeit, dass Fahrschüler einen Teil ihrer praktischen Fahrstunden nicht in der Fahrschule, sondern mit privaten Begleitpersonen absolvieren – typischerweise Eltern oder andere nahe Angehörige.

Das Konzept

Ähnlich wie beim begleiteten Fahren ab 17 (BF17) könnten Eltern ihre Kinder während der Ausbildung begleiten – nicht erst nach der Prüfung. Die Idee: Mehr Fahrpraxis zu geringeren Kosten.

Argumente der Befürworter

Das BMV sieht in der Laienausbildung eine Möglichkeit, die Führerscheinkosten zu senken:

  • Mehr Fahrpraxis ohne zusätzliche Kosten für professionelle Fahrstunden
  • Entlastung der Fahrschulen bei hoher Nachfrage
  • Flexiblere Zeiteinteilung für Fahrschüler
  • Ähnliche Modelle existieren in anderen EU-Ländern

Bedenken der Fahrschulbranche

Die Fahrlehrerverbände sehen die Pläne äußerst kritisch. Die wichtigsten Einwände:

Verkehrssicherheit

Eltern sind keine ausgebildeten Fahrlehrer. Falsche Gewohnheiten und veraltetes Wissen könnten an die nächste Generation weitergegeben werden.

Fehlende Doppelbedienung

Privatfahrzeuge haben keine Doppelpedale. Im Ernstfall kann die Begleitperson nicht eingreifen – ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Versicherungsfragen

Wer haftet bei einem Unfall während der privaten Übungsfahrt? Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind völlig ungeklärt.

Qualitätskontrolle

Wie soll überprüft werden, was in privaten Fahrstunden vermittelt wird? Eine Dokumentation oder Qualitätssicherung ist kaum möglich.

Internationale Vergleiche

In einigen EU-Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden gibt es Modelle mit privater Fahrpraxis. Allerdings sind die Rahmenbedingungen oft strenger als derzeit für Deutschland diskutiert:

Frankreich – „Conduite accompagnée" ab 15 Jahren mit mindestens 20 Stunden Fahrschulausbildung vorab und 3.000 km begleitetem Fahren.
Niederlande – Begleitpersonen müssen einen Kurs absolvieren und das Fahrzeug muss gekennzeichnet sein.

Ob ein vergleichbares Modell in Deutschland funktionieren würde, ist offen. Die deutsche Fahrausbildung gilt traditionell als eine der gründlichsten weltweit.

Was bedeutet das für Fahrschulen?

Sollte die Laienausbildung kommen, müssten sich Fahrschulen auf veränderte Geschäftsmodelle einstellen:

  • Weniger praktische Fahrstunden pro Schüler
  • Fokus auf Grundausbildung und Prüfungsvorbereitung
  • Möglicherweise neue Angebote wie „Begleitpersonen-Schulungen"
  • Stärkere Differenzierung über Qualität und Bestehensquoten

Allerdings: Derzeit handelt es sich nur um einen Prüfauftrag. Ob und in welcher Form die Laienausbildung tatsächlich kommt, ist noch völlig offen. Die Verkehrsministerkonferenz im April 2026 wird erste Hinweise liefern.

Fazit: Abwarten, aber vorbereiten

Die Laienausbildung bleibt eines der kontroversesten Themen der Führerscheinreform. Fahrschulen sollten die politische Entwicklung genau beobachten, gleichzeitig aber auf ihre Stärken setzen: qualifizierte Ausbildung, sichere Fahrzeuge und eine professionelle Prüfungsvorbereitung.

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